Südwestfalen gehört zu den industriestärksten Regionen Deutschlands – doch gerade diese Stärke wird zunehmend zur Herausforderung. Fachkräftemangel, konjunkturelle Schwäche und ein tiefgreifender Strukturwandel setzen den Arbeitsmarkt unter Druck. Gleichzeitig entstehen neue Chancen für den Mittelstand: Wer heute umdenkt, kann morgen profitieren.
Wenn Stärke zur Herausforderung wird
Südwestfalen ist wirtschaftlich stark, industriell geprägt und lange Zeit als krisenfeste Region wahrgenommen worden. Doch genau diese industrielle Ausrichtung macht die Region in der aktuellen Lage besonders anfällig: Rückläufige Aufträge, hohe Energiepreise und geopolitische Unsicherheiten setzen die Unternehmen zunehmend unter Druck. Der Industrieumsatz in Südwestfalen ging zuletzt um fast 7 Prozent zurück – stärker als im NRW-Durchschnitt (rund 4 Prozent). Besonders hart trifft es die kleinen und mittleren Betriebe, die Investitionen aufschieben und Personalpläne zurückfahren.
Gleichzeitig verschärft sich der Fachkräftemangel: Zwar liegt die Arbeitslosenquote mit 6,1 Prozent noch unter dem Landesdurchschnitt von 7,5 Prozent, doch die Zahl der Arbeitslosen ist zuletzt deutlich um fast 10 Prozent gestiegen. In vielen Betrieben bleiben Ausbildungsplätze unbesetzt, Mitarbeitende scheiden altersbedingt aus, Nachfolger fehlen. Während die Industrie an Beschäftigung verliert, wachsen andere Bereiche wie Gesundheitswirtschaft, IT und Bildung – und verändern das Gefüge des regionalen Arbeitsmarkts spürbar.
Mittelstand reagiert: Aus eigener Kraft gegen den Mangel
Viele Unternehmen in Südwestfalen setzen inzwischen auf interne Personalentwicklung, um dem Fachkräftemangel auch ohne externe Suche zu begegnen. Besonders exemplarisch ist die HF Mixing Group aus Freudenberg. Das Spezialunternehmen für Maschinen, Anlagen und Komponenten in der Gummiverarbeitung beschäftigt rund 1.200 Mitarbeitende – 390 davon am Hauptstandort Freudenberg. Das Unternehmen setzt konsequent auf eigene Ausbildung und praxisnahe Nachwuchsförderung: Aktuell bilden sie junge Menschen in zehn gewerblich-technischen und kaufmännischen Berufen aus, hinzu kommen etwa zwölf dual Studierende (Stand 2024) im Maschinenbau an der Universität Siegen. Mit einer eigenen Lehrwerkstatt, vielfältigen Weiterbildungsmöglichkeiten und enger Vernetzung zu Schulen sichern sie langfristig den eigenen Personalbedarf ab.
Ein weiteres Beispiel aus der Region ist das Sozialpartnerprojekt „Fachkräfte.Bilden.Zukunft“, initiiert in Kreuztal im Kreis Siegen-Wittgenstein. Hier arbeiten Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften, Bildungseinrichtungen und Wissenschaft eng zusammen, um gezielt Weiterbildungsstrukturen aufzubauen. Unternehmen profitieren von passgenauen Qualifizierungsmodulen, Informationsveranstaltungen und einem Netzwerk, das auch kleine und mittlere Betriebe der Metall- und Elektroindustrie dabei unterstützt, ihre Lernkultur zu stärken, Weiterbildung zu etablieren und Wissensverluste zu verhindern.
Nicht zuletzt spielt die Unternehmenskultur eine zentrale Rolle. Während große Konzerne oft mit starren Strukturen kämpfen, punkten viele Mittelständler mit flachen Hierarchien, persönlichem Kontakt und echter Teilhabe. Die Firma Jungkurth aus Altena, die mit ihren rund 60 Mitarbeitenden Gebäudetechnik und Verkehrstechnik aus einer Hand anbietet, setzt genau darauf: gezielte Nachwuchsförderung durch die hierfür 2021 eigens eröffnete Azubi-Werkstatt, individuelle Entwicklungsmöglichkeiten, ein familiäres Miteinander auf Augenhöhe und flexible Arbeitsmodelle sorgen dafür, dass Mitarbeitende bleiben – und ihre Zufriedenheit nach außen tragen.
Gemeinsam mehr bewegen: Netzwerke und Initiativen
Gerade in einer Region wie Südwestfalen, in der viele kleine und mittlere Unternehmen nicht über eigene Personalabteilungen verfügen, kommt Kooperationen eine besondere Bedeutung zu. Ein Beispiel für gelungene Zusammenarbeit ist die Arbeitgeber-Schmiede Südwestfalen – ein gemeinschaftliches Projekt der Südwestfalen Agentur und mehrerer regionalen Partnern, das vom NRW-Wirtschaftsministerium und dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert wird. Ziel ist es, die Region gezielt als attraktiven Arbeitgeberstandort zu positionieren und dem Fachkräftemangel strategisch zu begegnen.
Im Zentrum des Vorhabens stehen sogenannte Impuls-Labore. Hier werden innovative Modelle für eine stärkere Arbeitgeberattraktivität entwickelt, getestet und vielversprechende Ideen dann auch tatsächlich umgesetzt. Dabei geht es nicht nur um klassische Personalgewinnung, sondern auch um Themen wie Employer Branding, internationale Fachkräfte oder die Ansprache der nächsten Generation. Die Arbeitgeber-Schmiede setzt bewusst auf Austausch, gemeinsames Lernen und Innovation – ein Ansatz, der dem Mittelstand in Südwestfalen langfristige Perspektiven eröffnen kann.
Was Unternehmen jetzt tun können
Für viele Unternehmen in Südwestfalen liegt der Schlüssel in einer Kombination aus Weiterqualifizierung, Digitalisierung und klarer Arbeitgeberpositionierung. Anstatt aufwendig neue Mitarbeitende zu suchen, setzen immer mehr Betriebe auf interne Weiterentwicklung. Förderprogramme wie das Qualifizierungschancengesetz bieten konkrete Unterstützung, um bestehende Beschäftigte fit für neue Anforderungen zu machen – mit langfristigem Nutzen für beide Seiten.
Gleichzeitig verändert sich das Recruiting grundlegend. Wer heute sichtbar sein möchte, muss moderne Kommunikationswege nutzen: Kurzbewerbungen via Smartphone, Stellenanzeigen auf Social Media oder ansprechende Karriereseiten sind längst keine Spielerei mehr, sondern entscheidende Faktoren im Wettbewerb um Talente – gerade bei jungen Zielgruppen. Dabei zahlt sich ein klares Arbeitgeberprofil aus: Unternehmen, die authentisch zeigen, wofür sie stehen, schaffen Vertrauen.
Zudem wächst die Bedeutung regionaler Kooperationen. In Ausbildungsverbünden, Arbeitgebernetzwerken oder mit Partnern aus Bildung und Politik entstehen neue Lösungen, die ein einzelnes Unternehmen allein kaum stemmen könnte. Die Zusammenarbeit mit Initiativen wie der Arbeitgeber-Schmiede Südwestfalen oder lokalen Wirtschaftsförderungen ermöglicht Synergien – von gemeinsamen Messeauftritten bis hin zu innovativen Azubi-Kampagnen.
Nicht zuletzt ist Unternehmenskultur ein oft unterschätzter Standortvorteil. Wer Werte wie Verlässlichkeit, Flexibilität, persönliche Entwicklung und Zusammenhalt nicht nur predigt, sondern auch lebt, wird als Arbeitgeberin oder Arbeitgeber attraktiver – und genau das ist in Zeiten knapper Bewerbungen entscheidend. Die Botschaft ist klar: Wer heute investiert – in Menschen, Kultur und Sichtbarkeit – stellt die Weichen für einen stabilen Arbeitsmarkt von morgen. Und die Volksbank in Südwestfalen unterstützt auf diesem Weg mit ihrer Beratungsqualität und ihrem eigenen Netzwerk.

