Kaum im Amt, leitet die neue amerikanische Administration bereits eine komplette Kehrtwende in der Handelspolitik ein. Diese ist durch Protektionismus und den damit einhergehenden Konsequenzen geprägt – was auch Auswirkungen auf Südwestfalen hat. Insbesondere exportorientierte Unternehmen sind von Zöllen und Exportregularien betroffen. Aber wie genau sehen diese Auswirkungen aus und welche Branchen sind besonders stark davon betroffen? All das erfahren Sie hier.
So sieht die neue US-Handelspolitik aus
Der amerikanische Präsident Donald Trump hat dies bereits in seinem Wahlkampf angekündigt und auch schon in seiner ersten Amtszeit eine deutlich nationalistischere, gar protektionistische Wirtschafts- und Handelspolitik forciert. Eine große Überraschung sollte es deshalb nicht sein, dass die Vereinigten Staaten von Amerika ihre Versprechen auch einhalten. Zumal Donald Trump und seine Regierung eine komplette Abkehr von der seit Jahrzehnten geltenden amerikanischen Politik – und damit auch von deren Selbstverständnis – eingeleitet haben. Um die konkreten Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft zu messen, ist es zunächst sinnvoll einen Blick darauf zu werfen, was genau sich in der amerikanischen Handelspolitik geändert hat.
Donald Trump setzt ganz auf Zölle, um, wie er es sagt, die US-Wirtschat zu schützen. So plant er etwa den Import von Autos in die USA mit 25 Prozent zu verzollen. Würden die Autos in den USA hergestellt werden, gäbe es keine Zölle, meinte der Präsident. Auch auf Stahl und Aluminium wurden Zölle in Höhe von 25 Prozent verhängt. Ob der amerikanische Präsident damit aber tatsächlich seinem Land und den dort lebenden Menschen einen Gefallen macht, kann bestritten werden. Denn mit Zöllen riskiert Trump einen Handelskrieg und erste Reaktionen aus China lassen dies erahnen. Denn auch die Europäische Union hat angekündigt, auf amerikanische Zölle mit Gegenzöllen zu reagieren. Eine entsprechende Liste läge schon in der Schublade, ließ EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis verlauten. Außerdem könnten Zölle die Inflation nach oben treiben, was sowohl in Deutschland als auch in den USA zu großen Problemen führen würde.
Der Handel zwischen Südwestfalen und den USA
Die USA sind einer der wichtigsten Handelspartner Südwestfalens. Rund 320 heimische Unternehmen exportieren in die Vereinigten Staaten. 55 Unternehmen wiederum haben dort eine Niederlassung und 24 produzieren vor Ort. Hinzu kommt, dass rund 47 Prozent der Industrieunternehmen den Handel mit Amerika ausbauen möchten – gegenüber vorherigen 41 Prozent (Stand Februar 2025). Dies zeigt, wie wichtig die USA als Handelspartner sind.
Zölle wären für diese Unternehmen, die stärker ins Ausland, insbesondere in die USA, expandieren möchten, eine Katastrophe. Denn andere Märkte gibt es zwar, allerdings kann so schnell niemand die Vereinigten Staaten ablösen. Ganz im Gegenteil: durch die amerikanischen Zölle gegen China könnte es dazu kommen, dass der europäische Markt mit chinesischen Produkten überschwemmt wird, was wiederum negative Konsequenzen für südwestfälische Unternehmen haben könnte.
Dies stimmt auch für Nordrhein-Westfalen. 2023 gingen Waren im Wert von 15,7 Milliarden Euro aus NRW in die USA. Den umgekehrten Weg wiederum gingen rund 17 Milliarden Euro – zum ersten Mal überstiegen somit die Importsumme die Summe der Exporte. Und dieser Trend setzte sich im ersten Halbjahr des Jahres 2024 fort. Auf 7,8 Milliarden Euro Exportsumme kamen bisher Waren im Wert von rund 9 Milliarden Euro nach NRW. Das zeigt, wie stark der Handel zwischen NRW und den USA ist.

Diese Branchen sind besonders betroffen
Noch wurden keine Zölle gegen Europa verhängt. Allerdings heißt das nicht, dass gerade die deutsche Autoindustrie von bereits verhängten Zöllen gegen andere Länder nicht betroffen wäre. So hatte Trump bereits gegen Mexiko und Kanada Zölle verhängt. Und gerade deutsche Autobauer unterhalten in diesen Ländern Fabriken. Die Zölle wurden zwar vorübergehend wieder gestrichen, da sich der nördliche und südliche Nachbar der USA sich bereit erklärt hatten mehr gegen den Drogenschmuggel in die USA zu unternehmen. Aber trotzdem sind die Zölle nicht vom Tisch, sondern nur vorübergehend ausgesetzt.
Zölle gegen China wiederum wurden verhängt und haben nach wie vor Bestand. Gegen China wurde auf alle Importe ein Zoll von 10 Prozent verhängt. Das Heikle: auch deutsche Automarken stellen in China Autos her. Darüber sind also auch diese Unternehmen direkt von den amerikanischen Zöllen betroffen.
Die angekündigten Zölle gegen die Auto-, Stahl- und Aluminiumindustrie würden gerade Deutschland und damit auch den Wirtschaftsstandort Südwestfalen hart treffen. Denn zum einen ist die Automotive-Zulieferindustrie eine Kernbranche bei uns. Rund 500 Unternehmen mit über 52.000 Beschäftigten beliefern die großen deutschen Autohersteller.
Zum anderen treffen die Zölle auf Stahl und Aluminium auch Nordrhein-Westfalen. 2023 wurden aus NRW rund 24.000 Tonnen Eisen und Stahl in die USA exportiert (umgekehrt wurden rund 9.500 Tonnen nach NRW importiert). Zum Vergleich: 2017 wurden noch über 460.000 Tonnen über den Atlantik exportiert. Nach NRW wiederum wurden etwa 37.000 Tonnen aus den USA importiert. Anders sieht es bei Aluminium aus. Hier lag der Exportwert 2023 bei etwas über 24.000 Tonnen – 2019 (Höchststand der letzten 10 Jahre) lag dieser Wert noch bei fast 80.000 Tonnen. Importiert wurden 2023 immerhin noch 7.700 Tonnen. 2022 waren es über 15.000 Tonnen gewesen.
Die Reaktionen darauf fallen unterschiedlich aus. Marius Baader, Geschäftsführer des Verbands Aluminium Deutschland, meint hierzu, dass Zölle die ohnehin schon angespannte Situation verschärfen. Auch NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubauer sieht die heimische Wirtschaft bedroht – und das nicht nur hinsichtlich möglicher Zölle auf Aluminium.
Anders beim Stahl: Zwar macht sich Gunnar Groebler, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Sorgen um die Zölle. Aber Thyssenkrupp etwa, Deutschlands größter Stahlhersteller, reagiert gelassen darauf, denn die Zölle würden nur sehr begrenzt Einfluss auf die eigenen Geschäfte haben. Allerdings ist deren Hauptmarkt auch Europa.
