Maschinen, die nur bezahlt werden, wenn sie tatsächlich laufen. Medizintechnik, deren Kosten sich am realen Bedarf orientieren. Landmaschinen, deren Nutzung pro Hektar oder pro Betriebsstunde abgerechnet wird. Was nach Zukunftsmusik klingt, ist für einige Unternehmen bereits Realität: Pay-per-Use-Modelle verändern Investitionsentscheidungen, schonen die Liquidität und schaffen neue Flexibilität. Was genau dahintersteckt, für wen sich das Modell eignet und welche Rolle der Zahlungsverkehr dabei spielt, erklärt Patrick Sarna, Gruppenleiter Electronic Banking bei der Volksbank in Südwestfalen.
Herr Sarna, Pay-per-Use – also Zahlung nach Nutzung – was genau bedeutet das, und welchen Mehrwert bietet es Unternehmen?
Beim Pay-per-Use-Modell werden die Nutzungskosten eines Finanzierungsobjekts verbrauchsabhängig abgerechnet. Das heißt: Ein Unternehmen zahlt nicht eine fixe monatliche Rate, sondern einen Preis pro Nutzungseinheit – beispielsweise pro Betriebsstunde, pro produziertem Stück oder pro Laufmeter. Grundlage ist meist eine kalkulierte durchschnittliche Jahresnutzung, etwa 20.000 Betriebsstunden zu fünf Euro pro Stunde. Je nachdem, wie intensiv das Objekt tatsächlich genutzt wird, erfolgt dann eine entsprechende variable Tilgung.
Der große Mehrwert liegt vor allem in der Flexibilität. Unternehmen schonen ihre Liquidität, weil Kosten nur dann entstehen, wenn das Objekt tatsächlich im Einsatz ist. Gerade in schwankenden Marktphasen kann das ein entscheidender Vorteil sein: Wer weniger produziert, zahlt weniger. Wer viel produziert, zahlt mehr – aber dann stehen den höheren Zahlungen auch entsprechende Umsätze gegenüber.
Welche Vorteile hat ein Pay-per-Use-Modell im Vergleich zu klassischen Kauf- oder Leasingmodellen?
Im Vergleich zu klassischen Finanzierungen mit festen Raten bietet Pay-per-Use eine deutlich geringere Mindestbelastung bei Nichtnutzung. Während Leasing- oder Kreditraten unabhängig von der Auslastung konstant bleiben, passen sich die Zahlungen hier der tatsächlichen Nutzung an. Ein weiterer Vorteil ist die Transparenz. Durch die digitale Erfassung der Nutzungsdaten erhalten Unternehmen sehr detaillierte Auswertungen. Diese Daten können nicht nur für die Abrechnung, sondern auch für betriebswirtschaftliche Analysen genutzt werden – etwa zur Optimierung von Produktionsprozessen oder zur besseren Kapazitätsplanung.
Für welche Unternehmensgrößen oder Branchen eignet sich dieses Modell besonders gut?
Grundsätzlich ist Pay-per-Use für Unternehmen jeder Größe geeignet. Besonders sinnvoll ist es jedoch bei schwankender Auslastung oder bei kapitalintensiven Investitionsgütern.
Typische Branchen sind die Produktion, Logistik, Medizintechnik, Landwirtschaft oder auch die IT. Gerade kleine und mittlere Unternehmen profitieren, weil sie Investitionsrisiken reduzieren können. Wenn die finanzielle Einstiegshürde niedriger ist, fällt die Entscheidung für moderne Technik oft leichter.
Wie genau wirkt sich Pay-per-Use auf die Liquidität aus?
Operativ wirkt sich Pay-per-Use in der Regel positiv auf die Liquidität aus. Die Zahlungen orientieren sich an der tatsächlichen Auslastung. In umsatzschwächeren Phasen sinken auch die Zahlungen. In starken Phasen steigen sie – parallel zur Produktivität.
Man kann es wie einen Kreislauf betrachten: Gibt es Aufträge, wird produziert. Produktion erzeugt Umsatz und Ertrag. Der Ertrag stärkt die Liquidität. Und mit höherer Liquidität sind auch höhere nutzungsabhängige Tilgungen möglich. Der Cashflow-Verlauf passt sich also dem wirtschaftlichen Erfolg an.
Welche Risiken sollten Unternehmen dabei stets im Blick behalten?
Natürlich gibt es auch Aspekte, die sorgfältig geprüft werden sollten. Bei sehr hoher Nutzung können die Gesamtkosten unter Umständen höher ausfallen als bei einem klassischen Kauf. Zudem besteht eine gewisse Abhängigkeit vom Anbieter – insbesondere in Bezug auf Datenzugang und Service.
Wichtig ist außerdem eine zuverlässige und manipulationssichere Nutzungsmessung. Und weil die Laufzeit nutzungsabhängig ist, lässt sie sich nicht immer exakt kalkulieren. Unternehmen sollten daher vorab Szenarien durchspielen und die Kosten bei hoher oder sehr intensiver Nutzung genau betrachten.
Verändert Pay-per-Use die Investitionsentscheidungen im Mittelstand?
Ja, deutlich. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen treffen Investitionsentscheidungen häufig schneller, weil die anfängliche finanzielle Belastung geringer ist. Statt hoher Einmalinvestitionen stehen variable, nutzungsabhängige Kosten im Vordergrund. Entscheidungen orientieren sich damit stärker an der tatsächlichen Nutzung und weniger an reinen Kapitalkosten. Das kann Innovationen beschleunigen.
Welche Maschinen, Geräte oder Software eignen sich besonders für dieses Modell?
Sehr gut geeignet sind Produktionsmaschinen, Robotik- und Automatisierungsanlagen, 3D-Drucker oder Medizintechnik. Auch Landmaschinen oder Windkraftanlagen lassen sich nutzungsbasiert abrechnen. Im IT-Bereich ist das Prinzip bereits etabliert – etwa bei Cloud-Software im klassischen Software-as-a-Service-Modell.
Können auch Dienstleistungen oder Infrastruktur über Pay-per-Use abgerechnet werden?
Gerade im Gesundheitswesen sind Investitionssummen häufig sehr hoch. Teure Geräte wie MRT- oder CT-Anlagen binden erhebliche Mittel. Pay-per-Use ermöglicht hier den Zugang zu moderner Medizintechnik ohne große Anfangsinvestitionen. Die Kosten entstehen nur bei tatsächlichem Bedarf. Das entlastet die Liquidität – ein wichtiger Faktor bei ohnehin engen Budgetstrukturen.
Und wie sieht es in der Landwirtschaft aus?
Auch hier bietet sich Pay-per-Use sehr gut an. Ein Mähdrescher kann beispielsweise pro Hektar abgerechnet werden, ein Melkroboter pro gemolkener Kuh oder eine Bewässerungsanlage pro Kubikmeter Wasser. Landmaschinen verfügen heute bereits über umfangreiche digitale Datenerfassungssysteme. Das macht die Umsetzung technisch vergleichsweise einfach.
Kann Pay-per-Use auch einen Beitrag zu Nachhaltigkeit leisten?
Ja, durchaus. Wenn nur nach tatsächlichem Bedarf genutzt und bezahlt wird, entstehen weniger Überkapazitäten. Anbieter haben zudem ein Interesse daran, langlebige und effiziente Geräte zu entwickeln. Wartung kann nutzungsabhängig erfolgen, was die Lebensdauer erhöht. Insgesamt führt das Modell zu einem bewussteren Umgang mit Ressourcen.
Angenommen ein Unternehmen möchte das mal für sich ausprobieren. Welche Fragen sollten dann vor der Einführung geklärt werden?
Zunächst sollte das Investitionsobjekt klar definiert werden: Welche Art von Objekt? Welcher Hersteller? Welches Modell? Wie hoch ist das Investitionsvolumen? Welche Nutzungseinheiten sind relevant und wie lange wird das Objekt voraussichtlich eingesetzt? Ganz entscheidend ist außerdem die Frage: Welche Kosten entstehen bei hoher oder überdurchschnittlicher Nutzung? Eine transparente Kalkulation schafft hier Planungssicherheit.
Gibt es im Zahlungsverkehr besondere Herausforderungen?
Ja, denn statt einer festen monatlichen Rate entstehen häufig tägliche nutzungsbasierte Einzelbuchungen. Das kann auf den ersten Blick unübersichtlich wirken. Unsere Lösung besteht darin, die tägliche Nutzung zunächst zu sammeln und einmal monatlich als Gesamtbetrag auf ein separates Zwischenkonto zu buchen. Über ein digitales Dashboard können Kunden dennoch alle Buchungen taggenau nachvollziehen. Dank vollautomatischer Verarbeitung über EBICS entsteht dabei kein zusätzlicher Buchungsaufwand im Unternehmen.
Wie unterstützt die Volksbank in Südwestfalen Firmenkundinnen und -kunden hier ganz konkret?
Wir begleiten unsere Firmenkundinnen und -kunden bei allen Umsetzungsfragen – von der optimalen Zahlungsabwicklung über Automatisierungslösungen wie EBICS oder API-Schnittstellen bis hin zur Einrichtung digitaler Dashboards. Darüber hinaus beraten wir bei Finanzierungs- und Liquiditätsfragen und sorgen dafür, dass die technischen Prozesse im Zahlungsverkehr reibungslos funktionieren. Unser Ziel ist es, Pay-per-Use nicht nur als Finanzierungsmodell zu verstehen, sondern als integrierte Lösung, die Investition, Nutzung und Zahlungsverkehr sinnvoll miteinander verbindet.

