Unternehmerinnen und Unternehmer stehen täglich vor komplexen Entscheidungen – oft bleibt dabei kaum Zeit, sich strategisch um das eigene Vermögen zu kümmern. Im Interview erklärt Private-Banking-Beraterin Martina Ebert, warum ganzheitliche Vermögensplanung weit über klassische Anlageberatung hinausgeht, welche Rolle klare Strukturen und generationenübergreifende Konzepte spielen und weshalb eine enge Verzahnung von Unternehmens- und Privatvermögen entscheidende Vorteile bieten kann.
Frau Ebert, warum ist eine genossenschaftliche Private Banking Beratung bei der Volksbank in Südwestfalen gerade für Unternehmerinnen und Unternehmer sinnvoll?
Unternehmerische Komplexität braucht klare Strukturen und vor allem Zeit. Genau hier setzt unser genossenschaftliches Private Banking an. Denn Unternehmerinnen und Unternehmer stehen meist vor zwei parallelen Herausforderungen: Ein komplexes Vermögen und ein stark begrenztes Zeitbudget. Unsere Antwort darauf ist ein ganzheitlicher Ansatz in Form einer strategischen Vermögensplanung.
Wir starten mit einem klar definierten Zielbild, abgestimmt auf Ihre persönliche und unternehmerische Realität. Darauf aufbauend entwickeln wir eine Struktur, die unseren Kundinnen und Kunden vor allem eines verschafft: Übersicht, Sicherheit und Entlastung.
Für unsere Kundinnen und Kunden bedeutet dies konkret, dass sie von einer festen Ansprechperson betreut werden, die alles im Blick behält. Wir schaffen auf Basis der strategischen Vermögensplanung transparente Entscheidungsgrundlagen, besprechen diese proaktiv regelmäßig in den jährlichen Check-ups und sorgen für eine koordinierte Einbindung von Spezialistinnen und Spezialisten, z.B. bei Nachfolgethemen sowie bei rechtlichen und steuerlichen Fragen. Dadurch gewinnen unsere Kundinnen und Kunden Zeit für das Wesentliche: Ihr Unternehmen und die strategischen Entscheidungen.
Gleichzeitig sprechen wir bewusst auch Themen an, die im Alltag oft verdrängt werden:
Vermögen ist häufig stark an einzelne Personen gebunden. Fehlen im Ernstfall Zugriffsrechte, Strukturen oder klare Zuständigkeiten, entstehen schnell Unsicherheiten, gerade für Angehörige. Genau hier schaffen wir frühzeitig Klarheit und Ordnung.Vorausschauend, strukturiert und mit dem Ziel, im entscheidenden Moment Stabilität zu gewährleisten, statt Hektik und Unsicherheit.
Wie entwickeln Sie dieses Zielbild denn im Sinne der Unternehmerinnen und Unternehmer? Müssen diese sich erst klarer Ziele bewusst werden, bevor sich der Gang in die Beratung lohnt?
Unser wesentliches Unterscheidungsmerkmal ist, dass wir uns zunächst auf Vermögensstrukturoptimierung konzentrieren. Diese ist maßgeblich für die Ertrags-Risiko-Relation der Vermögenswerte. Erst in einem zweiten Schritt wählen wir geeignete Produkte für unsere Kundinnen und Kunden aus. Auf Basis unserer langjährigen Erfahrung in der Begleitung vermögender Unternehmerinnen und Unternehmer wissen wir, worauf es ankommt, um Vermögen nicht nur zu verwalten, sondern dauerhaft zu sichern, gezielt zu entwickeln und generationenfähig aufzustellen.
Wir gehen im Gespräch bewusst strukturiert vor und setzen unseren bewährten Analysebogen, den wir aus unserer langjährigen Praxis in der Betreuung vermögender Unternehmerinnen und Unternehmer entwickelt haben, ein. Dieser sorgt dafür, dass alle relevanten Aspekte systematisch erfasst werden und stellt die Grundlage unserer Analyse dar.
Dabei werden die zentralen Zielsetzungen herausgearbeitet, die für die Anlage und Strukturierung von Vermögen entscheidend sind. Dazu zählen insbesondere die individuelle Risikobereitschaft und Renditeerwartung, die Definition einer angemessenen Liquiditätsreserve sowie die Abstimmung geplanter Zahlungsströme, also Kapitalzuführungen und mögliche Entnahmen. Ergänzend fließen der persönliche Planungshorizont sowie die Erfahrung im Umgang mit unterschiedlichen Anlageklassen in die Betrachtung ein. Auf dieser Basis entsteht eine strategische Vermögensplanung, die sich an den Präferenzen der Kundinnen und Kunden orientiert und eine langfristig tragfähige Struktur ermöglicht.
So entwickelt sich Schritt für Schritt ein belastbares Zielbild – auch dann, wenn dieses zu Beginn noch nicht klar formuliert ist.
Zeichnen sich da dann besonders klare Ziele ab?
Ja, allerdings oft nicht in Form klassischer Zieldefinitionen, sondern zunächst über sehr konkrete, alltagsnahe Abgrenzungen.
Typische Aussagen sind zum Beispiel: Man möchte vermeiden, dass Kapital ungenutzt auf Konten liegt. Man möchte nicht in Trends investieren, deren Substanz unklar ist. Gleichzeitig fehlt häufig der Überblick über die heutigen Anlagemöglichkeiten. Oder es besteht der Wunsch, die wechselseitige Abhängigkeit zwischen privatem Vermögen und dem eigenen Unternehmen zu reduzieren. Ebenso wird häufig thematisiert, größere Investitionsentscheidungen, etwa bei Immobilien oder Beteiligungen, nicht mehr „aus dem Bauch heraus“ zu treffen, ohne die langfristigen Konsequenzen vollständig zu überblicken. Und nicht zuletzt spielt auch die Frage eine Rolle, wie sich Strukturen so gestalten lassen, dass im Ernstfall kein organisatorisches oder finanzielles Chaos entsteht.
Aus diesen Abgrenzungen ergeben sich sehr schnell die konkreten Fragestellungen, die im weiteren Prozess strukturiert bearbeitet werden: Wie hoch sollte die tatsächlich erforderliche Liquidität, privat wie unternehmerisch sein? Welche Mittel dienen als Sicherheitsreserve, und welcher Anteil kann gezielt investiert werden? Welche Ziele stehen kurz- und mittelfristig im Fokus, etwa Vermögensaufbau, Immobilieninvestitionen, Altersvorsorge, Beteiligungen oder auch Nachfolgeregelungen? Und wie lässt sich Vermögen so diversifizieren, dass einerseits unternehmerische Risiken reduziert werden, andererseits aber Chancen auf Vermögenswachstum erhalten bleiben?
Auf dieser Grundlage wird dann eine Struktur entwickelt, die zur individuellen Situation, zum Wissensstand und zu den Zielvorstellungen passt, ergänzt um klare Entscheidungsprozesse und eine kontinuierliche Begleitung.
Das Zielbild entsteht damit nicht abstrakt, sondern schrittweise aus der konkreten Lebens- und Vermögensrealität heraus. Genau deshalb lohnt sich der Einstieg in die Beratung häufig bereits zu einem Zeitpunkt, an dem vor allem eines vorhanden ist: das Bewusstsein, dass Potenzial besteht – aber noch keine klare Struktur und Strategie.
„Eine Struktur, die zum Alltag, zum Vorwissen und zu den Zielen der Kundin oder des Kunden passt“ – das ist vermutlich von Kundin zu Kunde sehr unterschiedlich. Können auch Unternehmen von der genossenschaftlichen Private Banking Beratung profitieren, die eigentlich schon ein sehr großes Vorwissen und klare Ziele haben, deren Alltag ihnen aber eben nicht den Raum lässt, „die letzte Meile“ in der Umsetzung zu gehen?
Ja, gerade diese Kundinnen und Kunden profitieren oft besonders. Denn großes Vorwissen und klare Ziele lösen das zentrale Problem vieler Unternehmerinnen und Unternehmer nicht: Zeit und Umsetzung. Viele wissen sehr genau, was sie wollen, aber im Alltag fehlt der Raum, Entscheidungen sauber vorzubereiten, konsequent umzusetzen und anschließend strukturiert zu steuern.
Im genossenschaftlichen Private Banking bilden wir genau dafür flexible Betreuungsmodelle ab und zwar abhängig davon, wie stark eine Kundin oder ein Kunde eingebunden sein möchte:
- Vermögensverwaltung (Kernprodukt):
Im Zentrum steht die vollumfängliche Vermögensverwaltung. Auf Basis klar definierter Ziele und innerhalb der vereinbarten Risikoparameter übernehmen wir die Umsetzung und laufende Steuerung des Vermögens. Das ist ideal für Kundinnen und Kunden, die eine professionelle, strukturierte Lösung schätzen und gleichzeitig Freiräume gewinnen möchten, mit der Sicherheit, dass ihr Vermögen konsequent in ihrem Sinne gemanagt wird. - Anlageberatung (individuelle Entscheidungsbegleitung):
In der Anlageberatung bleibt die finale Entscheidung jederzeit bei der Kundin oder beim Kunden. Er trifft Kauf- und Verkaufsentscheidungen eigenständig, auf Grundlage individuell erarbeiteter Vorschläge und strategischer Empfehlungen der Beraterin oder des Beraters. Dieses Modell verbindet unternehmerische Entscheidungshoheit mit fundiertem Sparring und einer klaren Struktur. - Selbstentscheider-Modell (Infrastruktur & Umsetzung):
Für sehr erfahrene Kundinnen und Kunden, die ihre Anlageentscheidungen vollständig selbst treffen, stellen wir unsere professionelle Infrastruktur bereit. Dazu gehören eine effiziente Abwicklung, geeignete Strukturen und ein verlässlicher „Maschinenraum“ für die Umsetzung, ohne inhaltliche Steuerung durch die Beraterin oder den Berater.
Gerade für Unternehmerinnen und Unternehmer mit hohem Know-how ist diese Flexibilität entscheidend: Sie behalten genau das Maß an Kontrolle, das sie wünschen, gewinnen aber gleichzeitig Zeit, Verbindlichkeit in der Umsetzung und eine Struktur, die im Alltag trägt.
Genau diese „letzte Meile“ ist häufig der entscheidende Unterschied zwischen einem guten Plan im Kopf und einem Vermögen, das tatsächlich strategisch arbeitet.
Eingangs erwähnten Sie Ihr Netzwerk aus verschiedenen Partnerinnen und Partnern. Können Sie kurz erläutern, was das umfasst und wie Ihre Kundinnen und Kunden in den unterschiedlichen Beratungsformen davon profitieren?
Gern. Wenn ich von unserem Netzwerk spreche, geht es um zwei zentrale Aspekte: Zum einen um die fachliche Breite, also Spezialistinnen und Spezialisten für Anlage, Strukturierung, steuerliche und rechtliche Fragestellungen. Zum anderen um den Zugang zu etablierten Vermögensverwalterinnen und -verwaltern, beispielsweise der DZ PRIVATBANK sowie weiteren ausgewählten Partnerinnen und Partnern.
Dabei steht immer die Zielsetzung unserer Kundinnen und Kunden im Mittelpunkt. Wir arbeiten partnerschaftlich, setzen auf Transparenz und vermeiden bewusst Interessenkonflikte. Deshalb verzichten wir konsequent auf Produktkontingente, Absatzvorgaben oder provisionsgetriebene Empfehlungen. Stattdessen wählen wir nach dem Best-Select-Ansatz aus einem offenen Produktuniversum, ergänzend zu den Lösungen der genossenschaftlichen FinanzGruppe auch mit ausgewählten Angeboten externer Partnerinnen und Partner.
Wie profitieren unsere Kundinnen und Kunden davon konkret?
- Vermögensverwaltung:
Hier arbeitet das Netzwerk primär im Hintergrund. Die Auswahl von Strategien, Managern und Lösungen erfolgt strukturiert und auf Basis des definierten Kundenwillens. Spezialistinnen und Spezialisten bringen gezielt ihre Expertise ein, etwa bei komplexeren Fragestellungen oder besonderen Anforderungen. Für die Kundin und den Kunden bedeutet das: eine professionell gesteuerte Gesamtlösung aus einer Hand. - Anlageberatung:
In der Beratung wird das Netzwerk unmittelbar erlebbar. Kundinnen und Kunden erhalten fundierte, individuell auf sie zugeschnittene Anlagevorschläge, die auf breiter Marktkenntnis und dem Zugang zu unterschiedlichen Anbietern basieren. Gleichzeitig können bei Bedarf Spezialistinnen und Spezialisten eingebunden werden, etwa wenn steuerliche oder strukturelle Aspekte eine Rolle spielen. - Selbstentscheider-Modell:
Hier fungiert das Netzwerk als leistungsfähige Infrastruktur im Hintergrund. Kundinnen und Kunden greifen bei Bedarf auf Markt- und Produktinformationen sowie auf Spezialwissen zu und profitieren gleichzeitig von effizienten Prozessen und direktem Zugang zu relevanten Ansprechpartnerinnen und -partnern.
Ein wesentlicher Vorteil liegt dabei in der direkten Erreichbarkeit: Für viele Themen gibt es kurze Wege zu konkreten Ansprechpartnerinnen und -partnern auch in angrenzenden Fachgebieten wie Recht und Steuern. Das sorgt dafür, dass aus einer Idee schnell eine umsetzbare Lösung wird und Kundinnen und Kunden genau die Unterstützung erhalten, die sie in ihrer jeweiligen Situation benötigen.
Wie weit geht diese „integrierte Beratung“ in der Praxis? Können Sie sogar gemeinsam mit Ihren Kolleginnen und Kollegen aus der Unternehmenskundenberatung Ihre Kundinnen und Kunden sowohl als Wirtschaftstreibende als auch als Privatperson, die nochmal zusätzliche Interessen hinsichtlich ihres Vermögens hat, betrachten?
Ja, genau das ist ein zentraler Bestandteil unserer Beratung. In der Praxis setzen wir dafür unter anderem sogenannte Unternehmensdialoggespräche auf: Dabei sitzen die Kundin oder der Kunde, die Unternehmenskundenberatung und das Private Banking gemeinsam an einem Tisch.
So lassen sich betriebliche Themen und private Vermögensziele sinnvoll miteinander verzahnen, beispielsweise bei Liquidität, Investitionen, Absicherung, Nachfolge oder der Gesamtvermögensstruktur. Der große Vorteil: Wir denken ganzheitlich, behalten aber gleichzeitig klare Zuständigkeiten und einen abgestimmten Fahrplan für die Umsetzung.
Auch wenn genau darin sicherlich für die meisten Unternehmen ein großer Mehrwert liegt: Manche möchten ja lieber nicht über die Höhe ihres Vermögens sprechen. Wie können Kundinnen und Kunden, die neben ihren Unternehmensgeldern über ein großes Privatvermögen verfügen, dessen Höhe sie so wenig wie möglich kommunizieren wollen, von Ihrer Beratung profitieren?
Auch dafür gibt es passende Lösungen. Die integrierte Beratung bedeutet nicht, dass alle Informationen für alle sichtbar sein müssen. Auf Wunsch lässt sich die Betreuung sehr diskret und klar abgegrenzt organisieren:
- mit streng definierten Einsichtsrechten,
- mit einer bewussten Trennung von unternehmerischen und privaten Informationen
- und mit einem sehr kleinen, fest zugeordneten Ansprechpartnerkreis im Private Banking.
So profitieren Kundinnen und Kunden von der inhaltlichen Verzahnung ohne auf Vertraulichkeit verzichten zu müssen.
Das Ergebnis ist eine ganzheitliche Beratung, die sowohl die unternehmerische Situation als auch die privaten Vermögensinteressen berücksichtigt und sich gleichzeitig flexibel an den gewünschten Grad an Transparenz anpasst.
Und wenn man an die private Dimension denkt, Stichwort Generationenmanagement: Wieviel Zusammenwirken ist da mit potenziellen Erben und Familienmitgliedern möglich?
Da ist vieles möglich, immer genau in dem Rahmen, den die Kundin oder der Kunde wünscht und freigibt. In der Praxis zeigt sich: Oft kommen im Rahmen unserer generationenübergreifenden Beratungsleistung Themen auf den Tisch, die zunächst gar nicht im Fokus stehen. So etwa der digitale Nachlass, Patientenverfügungen, Vorsorge- und Generalvollmachten oder ganz konkrete Fragen zur Handlungsfähigkeit und Kontozugriff im Ernstfall.
Entscheidend ist, frühzeitig zu beginnen. So lassen sich Vermögensübertragungen, steuerliche Aspekte und familiäre Interessen vorausschauend gestalten und die Kundin und der Kunde kann aktiv steuern, dass das Vermögen genau in ihrem bzw. seinem Sinne weitergegeben wird.
Es zeichnet sich ab: Eine Beratung ist im hohen Maße individualisiert möglich – und sie sollte möglichst früh beginnen. Wie kann eine Kundin oder ein Kunde denn die Zusammenarbeit mit Ihnen beginnen?
Der Einstieg ist bewusst unkompliziert gestaltet. Zu Beginn steht ein persönliches Kennenlerngespräch, in dem die Ausgangssituation, die Zielsetzungen sowie auch mögliche Ausschlusskriterien strukturiert erfasst werden. Darauf aufbauend wird definiert, welche Form der Zusammenarbeit am besten geeignet ist und welche konkreten nächsten Schritte sinnvoll erscheinen.
Ein zentraler Bestandteil ist die Entwicklung einer strategischen Vermögensstruktur, die sich aus den individuellen Renditezielen und der Risikotoleranz ableitet. Diese Struktur bildet die Grundlage für einen nachhaltigen generationenübergreifenden Anlageerfolg, ganz im Sinne des Prinzips: „Keine Therapie ohne Diagnose.“
Vielen Dank für das Gespräch und Ihnen und Ihren Kundinnen und Kunden weiterhin viel Erfolg!

Martina Ebert ist Private-Banking-Betreuerin der Volksbank in Südwestfalen. In ihrer Arbeit setzt sie auf Verlässlichkeit, Nähe und Vertrauen – und darauf, zuerst genau zuzuhören. So entwickelt sie gemeinsam mit ihren Kundinnen und Kunden ein Finanzkonzept, das zu den strategischen Zielen passt. Ihr Ansatz ist langfristig ausgerichtet.
Seit 2011 ist Martina Ebert bei der Volksbank in Südwestfalen, zunächst als Trainee, seit 2013 im Private Banking. 2017 schloss sie ihr Studium zur Bankbetriebswirtin (BankColleg) erfolgreich ab. 2019 absolvierte Frau Ebert den Senior Estate Planner (ADG).

